RUNDGANG 2020
R. MAX FESTERN

Im Sommer wird es ja so schrecklich zäh dunkel. Ich kann das Anhand des kleinen Stück Himmels, dass ich von meinem Nordfenster aus sehen kann recht gut mitverfolgen. Manchmal sehe ich noch ein wenig von diesem rosa oder goldgelben Licht auf den wolken bevor die Sonne untergeht. Durch andere Fenster muss das bestimmt sehr schön aussehen. Anyway. Ein Fenster über das ich mehr Kontrolle habe ist das metaphorische Fenster meines Laptopbildschirms. Die 14 Zoll waren ihr Geld wirlkich wert. Es klingt vielleicht erstmal nicht nach viel aber mit der richtigen Einstellung deckt der Bildschirm schnell das ganze Feld der Wahrnehmung ab. Dann ist der kleine Streifen Himmel schnell vergessen, was gut ist bereit er mir doch immer wieder einiges an Schmerz. Ich vermute es geht dabei um Sehnsucht, bessere Wohnbedingungen und Einsamkeit. Zu sehr will und muss ich mich jedoch auch nicht damit beschäftigen, habe ich ja den alternativen Ausblick durch den Bildschirm. Doch auch dieser hat seine Grenzen. Es braucht vielleicht einige Stunden an meme compilations um sie zu erreichen aber es gibt diese Grenzen. Und wenn der Zeitpunkt erreicht ist dann blicke ich auf und merke, dass es inzwischen dunkel geworden ist und das einzige Licht nur noch vom Bildschirm ausgeht. Ich versuche dann manchmal noch durch das Zimmerfenster das Nachbarhaus gegenüber -welches mir auch die Sicht auf den Himmel so sehr einschränkt - auszumachen und frage mich wie mein Zimmer in dem Moment von außen durch das Fenster aussehen muss. Ein dunkles Rechteck in dessen Mitte ein blasses Gesicht in schwach blauem Licht schwebt.